Hintergrund

Frauen und Frieden

Frauen sind nicht Urheber der Kriege und der Gewalt, sie sind in erster Linie deren Leidtragende. Kriegsbeschlüsse sind weiterhin ein Ergebnis männlich dominierter Macht- und Ausbeutungspolitik, unter der Frauen in vielfacher Hinsicht leiden müssen. Millionen Frauen wurden in Kriegen angegriffen, ermordet, vergewaltigt, verhaftet und gefoltert. Sie wurden zur Flucht in Länder gezwungen, deren Sprache und Kultur sie nicht kennen. Sie leben mit dem Schmerz über den Verlust ihrer Kinder und Angehörigen sowie mit den physischen, sozialen, geistigen und ökonomischen Folgeproblemen der Kriege.

Kurdistan

Kurdistan ist eines der ältesten Siedlungsgebiete Mesopotamiens und war Schauplatz vieler verschiedener Hochkulturen. Seit Jahrhunderten erlebt diese Region immer wieder schwerste Verwüstungen, Plünderungen und neue Grenzziehungen. Kurdistan wurde 1923 durch den Vertrag von Lausanne in vier Teile geteilt. Seitdem leben 40 Millionen Kurd*innen unter der Vorherrschaft vier verschiedener Staaten (Türkei, Iran, Irak und Syrien). In diesen wurde ihnen das Recht auf Selbstbestimmung verwehrt. Deshalb haben sie sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts mit zahlreichen Aufständen gegen die Kolonialisierung, Assimilation, Massaker und Unterdrückung gewehrt, die größtenteils durch die Besatzerstaaten blutig niedergeschlagen wurden. In allen vier Teilen Kurdistans führten die Zentralregierungen Pogrome durch; Zehntausende Dörfer wurden entvölkert und zerstört; die Bevölkerung wurde enteignet, vertrieben, gefoltert, inhaftiert und ermordet.

Gegenüber dieser Vernichtungspolitik ist der kurdische Freiheitskampf in den letzten Jahrzehnten immer stärker geworden und hat eigene Lösungsmodelle entwickelt.

Als Alternative zum Nationalstaat entwickelte Abdullah Öcalan in seiner seit 1999 anhaltenden Isolationshaft auf der Gefängnisinsel Imrali in der Türkei das Konzept des Demokratischen Konföderalismus.

2005 begann die kurdische Zivilgesellschaft vielerorts mit dem Aufbau basisdemokratischer Rätestrukturen und damit mit der Umsetzung eines demokratischen, ökologischen und von Geschlechterrollen befreiten Gesellschaftsmodells für den Mittleren Osten. Dies bewirkt sie, in dem sie breite basisdemokratische Bündnisse mit religiösen, ethnischen und politischen Gruppen eingeht und sie gemeinsam um die Anerkennung der politischen und kulturellen Rechte aller kämpfen.

Frauen in Kurdistan

Parallel zu den Freiheitsbestrebungen des kurdischen Volkes haben sich kurdische Frauen auf der Grundlage einer von ihnen selbst entwickelten Frauenbefreiungsideologie organisiert. Die kurdische Frauenbewegung ist in allen vier Teilen Kurdistans und in Europa zu einer politischen und gesellschaftlichen Kraft geworden. Sie vertritt die Forderungen der kurdischen Frauen, stärkt die Solidarität unter Frauen und arbeitet an der Verwirklichung gesellschaftlicher Alternativen. So wurden in vergangenen Jahren in vielen Dörfern und Städten Frauenräte, -vereine, -kooperativen, -medien, -beratungszentren, -akademien u.ä. Einrichtungen aufgebaut. Durch die breite Basisorganisierung und internationale Vernetzung konnten erfolgreich Kampagnen gegen sexistische Gewalt, für die Freilassung von politischen Gefangenen, für Frieden und Demokratie in Kurdistan eine starke Wirkung erzielen.