AN DIE PRESSE UND ÖFFENTLICHKEIT

Am 9. Januar 2013 wurden die drei kurdischen Politikerinnen Sakine Cansız, Fidan Doğan und Leyla Şaylemez mitten in Paris ermordet.

Am 9. Januar 2013 wurden die drei kurdischen Politikerinnen Sakine Cansız, Fidan Doğan und Leyla Şaylemez mitten in Paris ermordet.

Mit der Zeit hat sich durch Dokumente, Tonbänder und Zeugen klar herausgestellt, dass diese Tat durch den MIT, den türkischen Geheimdienst, organisiert worden ist.

Der Untersuchungsrichter hat nach Durchsicht der Dokumente und Untersuchungsergebnisse beschlossen, dass es im Mai 2015 zum Verfahren kommen soll. Trotzdem wurde der Prozess nicht eröffnet. Erst nach den berechtigten Forderungen nach Gerechtigkeit und Druck des kurdischen Volkes hat man den Gerichtstermin auf den 5. Dezember angesetzt, später hat man ohne jegliche Begründung das Verfahren auf den 23. Januar vertagt.

Während dieser Phase hat man immer wieder die Krankheit des Mörders, Ömer Güney, angeführt und dies als Begründung für die Vertagung des Prozesses angegeben. Obwohl der französische Staat wusste, dass Ömer Güney krank ist, wurde das Verfahren nicht so schnell wie möglich angesetzt. Die dauernde Vertagung und Nichteröffnung des Verfahrens bedeutet, dass man das Verfahren nicht führen wollte. Diese Bedenken haben wir immer wieder öffentlich mitgeteilt, wir befürchteten, dass der einzige Tatverdächtige Ömer Güney entführt oder ermordet wird. Auch haben wir immer wieder unsere Bedenken im Bezug auf die Nichtaufnahme des Prozesses öffentlich kundgetan. Die Wahrheit würde so im Dunkeln bleiben.

Nun, kurz vor dem 23. Januar, dem Tag der Verhandlung, hat sich der Gesundheitszustand des Mörders verschlechtert. Aufgrund der Verschlechterung seines Gesundheitszustandes hat der Staatsanwalt für den 19. Dezember seine Entlassung beantragt. Kurze Zeit später haben wir die Mitteilung erhalten, dass der Mörder aufgrund seiner Krankheit verstorben sei.

Nun ist offensichtlich, dass die französische Regierung auf ihre politischen und wirtschaftlichen Interessen Rücksicht nehmend, dem einzigen Angeklagten, Ömer Güney, nicht den Prozess gemacht hat. Sie haben die Gerichtsverhandlung zur Aufklärung der Morde in Paris strategisch immer wieder verschoben und somit die Wahrheit im Dunkeln belassen. Es wurde also jede Zusammenarbeit mit der faschistischen AKP und der Erdogan-Diktatur eingegangen, um diesen Mord der türkischen Regierung zu verdunkeln. Es wurde jede Art von schmutziger Zusammenarbeit und Verhandlungen benutzt, um den türkischen und französischen Staat nicht zur Rechenschaft zu ziehen. 

In Frankreich wurden bisher 25 politische Morde begangen. In keinem kam es zur Gerichtsverhandlung, noch wurde jemand angeklagt. Immer wurden diese Morde verdeckt und der französische Staat hat die politische Verantwortung nie getragen. Nach der Ermordung der drei kurdischen Politikerinnen wurde zum ersten Mal ein Mörder gefasst. Zum ersten Mal gab es die Gelegenheit, einen Mord aufzuklären. Diese Situation konnte durch die im Dunkeln operierenden Kräfte nicht ertragen werden und man hat den Beginn des Prozesses immer wieder hinaus gezögert. Man hat jede Möglichkeit genutzt, damit die Verhandlung nicht eröffnet werden kann.

Wir als kurdische Frauen wissen, dass dieser Fall politisch ist und dass mit den Ergebnissen aus diesem Verfahren auch Licht in die kurdische Frage gebracht werden wird. Die Mächte, die die Lösung der kurdischen Frage nicht wollen, diejenigen, die Kriege provozieren, die den Wunsch haben, dass sich die Völker gegenseitig umbringen, haben verhindert, dass der einzige Angeklagte im Pariser Mord-Prozess nicht vor Gericht gebracht worden ist.

Wir rufen allen voran die kurdischen Frauen, das kurdische Volk und seine Freundinnen und Freunde dazu auf, für die Aufklärung der Pariser Morde einzustehen. Jede und Jeder muss seine Reaktion und Haltung für die Gerechtigkeit und die Wahrheit einsetzen. Auf dieser Grundlage rufen wir dazu auf, dass überall Massendemonstrationen vor den französischen Konsulaten ausgeführt werden. Wir rufen dazu auf, am 21. Dezember an diesen Aktionen teilzunehmen.

Wir müssen am 7. Januar an der Demonstration in Paris den kollaborativen Mächten, der faschistischen AKP und der Erdogan Diktatur zeigen, dass wir hier sind. Wir müssen zu Zehntausenden zeigen, dass wir alle Sakine, Fidan und Leyla sind. Wir müssen ein Schlag in das Gesicht dieser mörderischen Kräfte sein. Die Kraft der Wahrheit wird die Kraft eines jeden Diktators vernichten. Wichtig sind nur mutige Menschen, die die Wahrheit verteidigen.

 

Bewegung kurdischer Frauen in Europa (TJK-E)

  1. Dezember 2016