Kurdistan

Kurdistan ist eines der ältesten Siedlungsgebiete Mesopotamiens und war Schauplatz vieler verschiedener Hochkulturen. Seit Jahrhunderten erlebt diese Region immer wieder schwerste Verwüstungen, Plünderungen und neue Grenzziehungen. Kurdistan wurde 1923 durch den Vertrag von Lausanne in vier Teile geteilt. Seitdem leben 40 Millionen Kurd*innen unter der Vorherrschaft vier verschiedener Staaten (Türkei, Iran, Irak und Syrien). In diesen wurde ihnen das Recht auf Selbstbestimmung verwehrt. Deshalb haben sie sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts mit zahlreichen Aufständen gegen die Kolonialisierung, Assimilation, Massaker und Unterdrückung gewehrt, die größtenteils durch die Besatzerstaaten blutig niedergeschlagen wurden. In allen vier Teilen Kurdistans führten die Zentralregierungen Pogrome durch; Zehntausende Dörfer wurden entvölkert und zerstört; die Bevölkerung wurde enteignet, vertrieben, gefoltert, inhaftiert und ermordet.

Gegenüber dieser Vernichtungspolitik ist der kurdische Freiheitskampf in den letzten Jahrzehnten immer stärker geworden und hat eigene Lösungsmodelle entwickelt.

Als Alternative zum Nationalstaat entwickelte Abdullah Öcalan in seiner seit 1999 anhaltenden Isolationshaft auf der Gefängnisinsel Imrali in der Türkei das Konzept des Demokratischen Konföderalismus.

2005 begann die kurdische Zivilgesellschaft vielerorts mit dem Aufbau basisdemokratischer Rätestrukturen und damit mit der Umsetzung eines demokratischen, ökologischen und von Geschlechterrollen befreiten Gesellschaftsmodells für den Mittleren Osten. Dies bewirkt sie, in dem sie breite basisdemokratische Bündnisse mit religiösen, ethnischen und politischen Gruppen eingeht und sie gemeinsam um die Anerkennung der politischen und kulturellen Rechte aller kämpfen.