Nach der erfolgreichen Trauma-, Kunsttherapeutinnendelegation im Sommer 2015, möchten wir das Projekt im neuen Jahr weiter führen.

Im diesem Jahr konnte unsere Delegation nicht nach Shengal einreisen, da die südkurdische Regierung uns die Durchreise verwehrte. Somit verwirklichten wir das Projekt im Flüchtlingscamp Arbat, was sich in der Nähe von Sulaimaniya zur iranischen Grenze befindet. Dort leben zweitausend EzidInnen aus Shengal und fünftausend AraberInnen aus dem Irak und Syrien. In Kooperation mit der dortigen kurdischen Frauenbewegung und den ezidischen Bewohnerinnen des Camps, konnten wir dort das  traumatherapeutische Projekt erstmalig durchführen und bildeten um die 30 Frauen als Multiplikatorinnen weiter.

Es ging vorrangig darum, die Frauen in ihren Wünschen und Bedürfnissen ernst zu nehmen, ihnen Raum zu geben, für ihr Leid und Sorgen und letztlich eine gemeinsame Stärke zu finden, um sich in Würde wieder aufzurichten. Durch Informationen über Trauma und Traumafolge, Körper- und Atemübungen und kunsttherrapeutische Methoden wurden die Frauen stabilisiert und konnten diese Übungen auch an andere Frauen weiter geben. Beim Abschied, versprachen wir uns, uns wieder 2016 in Shengal zu treffen. Bis dahin werden die Frauen weiter von der lokalen Frauenorganisation begleitet und unterstützt.

Im November 2015 wurde Shengal in großen Teilen nun endlich nach über einem Jahr IS Terror befreit. Leider bringt die Befreung neue Greultaten seitens des IS zum vorschein. So wurde unter anderem ein Massengrab von schätzungsweise 80 Frauenleichen entdeckt. Diese Frauen hatten für den IS keinen nutzen und wurden schließlich ermordet. Hinzu kommt die katastrophale humanitäre Situation der Geflüchteten.

Die ezidische Gesellschaft ist stark belastet durch vielerlei Faktoren:


-Der Genozid im Sommer 2014 an der ezidischen Bevölkerung in Shengal
-Vom IS verschleppte Angehörige und Freunde
-Fluchterfahrungen und damit verbundene Demütigungen, Stress,
Hilflosigkeit usw.
-Akute Bedrohung durch Hunger und Wintereinbruch, da die Geflüchteten im
Shengalgebirge kaum Hilfsgüter erhalten
-Ausharren in furchtbaren Zuständen in Flüchtlingscamps verteilt über
Rojava/Syrien, Südkurdistan/Irak, Norkurdistan/Türkei oder vereinzelt
und versprengt ohne Obdach und Schutz
-Keine Perspektive in den Flüchtlingscamps
-Keine Möglichkeit der wirtschaftlichen Versorgung


Es ist viel zu tun und die Selbstorganisierung der Menschen gibt ihnen wieder Hoffnung, in ein selbstbestimmtes Leben zurück zu finden. Durch die positive Erfahrung der Delegation in 2015 und die Ausbildung der Multiplikatorinnengruppe von ezidischen Frauen im Flüchtlingscamp Arbat, möchten wir weiter am Aufbau eines Frauenzentrum in Shengal mitwirken. Es wurde aber auch deutlich, dass wir nicht nur Therapeutinnen mitnehmen möchten, da die vielzahl der Belastungen auch viele andere Fachbereiche erfordert. Deshalb laden wir herzlich alle: Trauma-, Kunst-, Tanz-, Musik-, Ergo-, Kinder- und Jugend-, Psycho- Therapeutinnen, Ärztinnen,  Physiotherapeutinnen, Heilpraktikerinnen, Lehrerinnen und Journalistinnen dazu ein, die zweite Frauenzentrumsdelegation nach Shengal zu begleiten.

Die geplante Termine sind vom 2.2. zum 10.2.16, vom 2.3. zum 10.3.16 und 21.03 zum 02.04.16.

Weitere Infomrationen zu Reiserouten, Sicherheitsfragen, inhaltliche Ausarbeitung, Rückblick auf die letzte Delegation, werden wir gerne mit euch persönlich besprechen, wenn Interesse an einer Teilnahme besteht.

Wir freuen uns auf euch!

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