Erklärung Abdullah Öcalans zum Internationalen Frauentag 2015

 

Mit dem Widerstand von Kobanê, mit dem Widerstandsgeist von Genossinnen wie Arîn Mîrkan, haben Frauen ein neues Leben, eine neue Zivilisation vor Augen. Hiervon tief bewegt grüße ich Euch mutige, für die Freiheit kämpfenden Frauen mit großem Respekt und gratuliere euch zum 8. März, dem Internationalen Frauentag.

Wir wollen die Frauenbefreiung vorantreiben. In den Persönlichkeiten der kämpfenden Frauen, hat die ganze Welt angefangen, dies zu erkennen und von dieser Schönheit in ihren Zeitungen zu berichten. Also, hier entstand diese Freiheitsliebe. Es ist nötig, das richtig zu begreifen. Die soziologische Dimension der Liebe muss in der Realität Kurdistans verstanden werden. Ich verleugne weder die Liebe, das Verliebtsein noch die Familie. Dies sind tiefgehende menschliche Bindungen, aber ohne ein freies Leben sind sie bedeutungslos. Worauf es mir ankommt, ist eine soziale, gesellschaftliche Form der Liebe.

Die schönste Frau ist die Frau, die frei lebt

Die Freiheit der Frauen ist für mich wichtiger als alles andere. Die schönste Frau ist die Frau, die ihr Leben frei lebt. Es gibt nichts, dass mehr erniedrigend und hässlich ist, als die Einheit und das Bündnis einer versklavten Frauen mit einem herrschenden Mann. Auf der anderen Seite gibt es nichts richtigeres und schöneres, als die Einheit und das Bündnis von freien Frauen mit Männern, die ihr Herrschaftsdenken überwunden haben.

 

Vertraut auf Euch selbst als Frauen

30 Jahren lang waren meine Genossinnen meine wichtigsten UnterstützerInnen. Meine Dialoge und Übereinkünfte mit Frauen sind wichtig. Ihr werdet den Gesellschaftsvertrag der Frauen noch weiter vorantreiben. Dieser Vertrag sollte eine Kampfansage gegen Frauenmorde, gegen Genitalverstümmelung an Frauen, gegen Vergewaltigung und Ähnliches beinhalten. Das müsst ihr tiefgründig angehen. Vertraut nicht den Männern. Zerschlagt den Dogmatismus der Männer. Vertraut auf Euch selbst als Frauen. Freiheit und Gleichheit können nur mit der Frauenfrage umgesetzt werden. Deshalb ist unsere Revolution eine Frauenrevolution. Ohne die Frau kann es kein Leben geben. Ohne Freiheit kann es keine Ethik und Ästhetik geben. Was ich als Ethik der Frauen bezeichne, ist die Entscheidungskraft der Frauen.

 

Die Frau muss sich selbst gehören

Sich eine Frau „zu nehmen“ oder eine Tochter „zu geben“ ist nicht akzeptabel. Sagt: „Ich gehöre mir und niemand anderem!“ Eine Frau ist nicht die Ehefrau des Mannes, die Tochter des Vaters oder die Schwester des Bruders. So darf das nicht sein. Die Frau muss sie selbst sein. Die Formel ist, hierfür von Herzen zu arbeiten, sich gedanklich zu vertiefen und Licht ins Dunkle zu bringen. Erdogan sagt das Gegenteil von dem, was ich sage. Er spricht von drei Kindern und früher Ehe. Er sagt das ganz bewusst und ich spreche auch ganz bewusst. Das ist der Kampf zwischen zwei gegensätzlichen Auffassungen. Wir werden sehen, ob er sich durchsetzen wird, oder ob wir uns durchsetzen werden.

 

Ohne Freiheit der Frauen keine demokratische Lösung

In meinem Punktekatalog für eine demokratische Lösung steht die Freiheit der Frauen an erster Stelle. Sie [die Vertreter des Staates, Anm. d. Übersetzerin] verstehen das nicht. Sie sagen, „Was hat das denn mit einer demokratischen Lösung zu tun“. Ich spreche klar und deutlich. Die Verbindung zwischen der Freiheit der Frauen und der demokratischen Lösung ist offensichtlich. Ich habe schon gesagt, dass ich nicht einem Staat angehören kann, in dem so viele Frauen getötet werden. Die Lösung wird durch das Recht der Frauen auf Gleichheit und Freiheit verwirklicht. Das Recht der Frauen, das Recht der Freiheit ist für mich grundlegend.

 

Die Vergewaltigungskultur überwinden

Ich weiß, dass die Frauen sich durch mich gestärkt sehen und ich definiere mich selbst als ihr Weggefährte bei der Lösung. Die 5000 Jahre alte patriarchale Kultur ist eine Kultur der Vergewaltiger. Wir bemühen uns darum, der Wirklichkeit der Frauen, die vor 9000 Jahren zusammengebrochen ist, als Realität der freien Frauen wieder auf die Beine zu helfen. Deshalb ist das Wesen und die Blüte unserer gesamten Arbeiten bei den Verhandlungen [für eine demokratische Lösung], die Frauenarbeit. Denn die Frauenfrage ist ein kulturelles, politisches, wirtschaftliches und soziologisches Problem. In meinem Dialog mit dem Staat arbeite ich daran, das Projekt der demokratischen Gesellschaft, das auf der Freiheit der Frauen beruht, mit der Demokratisierung des Staates zu ergänzen.

 

Das Jahrhundert der Freiheit der Frauen

Der Slogan der Frauen „Wir werden nicht frei sein, solange Öcalan nicht frei ist.“ ist schön. Denn ich bin frei. Auch ihr werdet frei sein. Diesbezüglich glaube ich sehr an euch, widerständige Frauen. Ich muss folgendes sagen, dass in einer solchen historischen Phase das erste Mal Frauen ihren Platz in einer Verhandlungsdelegation einnehmen; das hat eine historische Bedeutung, und ich beglückwünsche euch dazu. Ich glaube daran, dass das 21. Jahrhundert das Jahrhundert der Umsetzung der Freiheit der Frauen werden wird. Auf dieser Grundlage grüße ich Euch alle ein weiteres Mal mit großem Respekt und Liebe und wünsche Euch viel Erfolg bei Eurem Freiheitskampf.

 

übersetzt von Cenî - Kurdisches Frauenbüro für Frieden e.V.

 

Erklärung Abdullah Öcalans zum Newrozfest 2015

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